Der Solnhofener Plattenkalk und seine Fossilien

 

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Der Solnhofener Plattenkalk und seine Fossilien
Archaeopteryx



Die Forscher und der Wandel der Zeit

Die Entdeckung und Beschreibung der Feder 1860 wurde in der damaligen Fachwelt zwar wargenommen, aber man musste annehmen, es handele sich um einen Vogel, da das zugehörige Tier nicht bekannt war. Erst als das jetzige Londoner Exemplar bekannt wurde begannen sich die Paläontologen näher dafür zu interessieren. Wie wir schon gesehen haben, "platzte" das Fossil in die Zeit, als die Evolutionstheorie in den Kinderschuhen steckte und sich die damaligen Naturwissenschaftler Pro und Contra diesbezüglich gaben. Archaeopteryx - als befiedertes Kriechtier beschrieben - passte hervorragend in diesen Kontext. OWEN wollte damit zeigen, dass dies ein von Gott geschaffenes Wesen war, HUXLEY sah darin eine Gelegenheit das Gegenteil zu beweisen. Dieser kam zu dem Konsens, dass Archaeopteryx eine Übergangsform vom Reptil zum Vogel war.

RICHARD OWEN

Abb. 1: RICHARD OWEN

THOMAS HUXLEY

Abb. 2: THOMAS HUXLEY

OTHNIEL C. MARSH

Abb. 3: OTHNIEL C. MARSH

Einen Mitstreiter in diesem Gelehrtenstreit fand HUXLEY in OTHNIEL C. MARSH, einem amerikanischen Paläontologen, welcher in den USA verschiedene kreidezeitliche Vögel entdeckte und beschrieb. MARSH bearbeitete einen Fund, der ihm von B. F. MUDGE überlassen worden war. Es handelte sich dabei um ein Vogelskelett mit bezahntem Unterkiefer. Zuerst nahm MARSH an, dass der Unterkiefer zu einem unbekannten wasserlebenden Tier gehören musste [2]. Erst einige Monate später erkannte er, dass der Unterkiefer zu dem Vogel, mittlerweile als Ichthyornis dispar beschrieben, gehörte. Schon damals erkannte er, dass diese Zähne denen von Dinosauriern ähnlich waren [3]. Ironischerweise wurde der Begriff "Dinosaurier" einige Jahre zuvor von OWEN geprägt. MARSH unterstützte den Gedanken, dass sich die Vögel aus Dinosauriern entwickelt hatten und gab so HUXLEY Rückendeckung. An dieser Ansichtsweise änderte sich in den letzten Jahren des ausgehenden 19 Jahrhunderts nur noch wenig.

ROBERT BROOM

Abb. 4: ROBERT BROOM

Zwar wurde die Theorie unter anderem von ROBERT BROOM angegriffen, allerdings hat es den Anschein, dass dies nicht wirklich wahrgenommen wurde. BROOM arbeitete in Südafrika an Therapsiden und Pseudosuchier und war der Ansicht, dass diese nicht nur die Vorfahren der Dinosaurier, sondern auch die der Vögel darstellen. Als gemeinsamen Vorfahren schlug er Euparkeria vor, einen von ihm entdeckten und beschriebenen Pseudosuchier.

GERHARD HEILMANN

Abb. 5: GERHARD HEILMANN

1927 kam wieder Bewegung in die Forschung bezüglich der Vogelevolution. Ein dänischer Maler, GERHARD HEILMANN, veröffentlichte ein Werk mit dem Namen "The Origin of Birds" [4]. HEILMANN, mehr Künstler als Paläontologe, zeigte in diesem Buch auf, dass Vögel und Dinosaurier zwar näher verwandt sein mussten, war aber überzeugt davon, dass sich Vögel nicht aus Dinosauriern entwickelt haben konnten. Mit dieser Aussage widersprach er HUXLEY. Er untermauerte seine Annahme, dass die vogelähnlichen Theropoden (damit bezog er sich wohl hauptsächlich auf Compsognathus) keinerlei Anzeichen eines Gabelbeins (Furcula) oder eines Schlüsselbeines aufweisen. Nach DOLLO würde dies eine Dinosaurier - Vogel Evolution unmöglich machen. Dieses Gesetz besagt, dass ein während der Evolution verlorenes Organ (Knochen etc.) nicht wieder entwickelt werden kann. Aufgrund des damaligen schlechten Fossilnachweises in Bezug auf Theropoden waren Schlüssel- und Gabelbeine bei Theropoden unbekannt. HEILMANN ging daher davon aus, dass sich Vögel aus noch unbekannten Vorläufern entwickelten.

Der von HEILMANN vorgeschlagene hypothetische Proavis solle sich aus einem triassischen Vorfahren entwickelt haben und von diesem ausgehend sollen sich Archaeopteryx und alle weiteren Vögel entwickelt haben. Damit folgte er BROOMs Meinung. Das Buch wirkte so überzeugend, dass der Gedanke einer Dinosaurier - Vogel Evolution bis in die 70er Jahre keine nennenswerte Rolle mehr spielte. Die Illustrationen HEILMANNs sind mittlerweile Klassiker und die Rekonstruktionszeichnungen suchen nach wie vor ihresgleichen. HEILMANN stellte die Dinosaurier als agile Lebewesen dar. Vielleicht waren es gerade diese lebensnahen Darstellungen, die diese Veröffentlichung so erfolgreich machten.

Archaeornis (Archaeopteryx)

Abb. 6: Archaeornis (Archaeopteryx)

Hypothetischer Proavis

Abb. 7: Hypothetischer Proavis

Kopf von Archaeopteryx

Abb. 8: Kopf von Archaeopteryx

Szene aus der Trias

Abb. 9: Szene aus der Trias

JOHN H. OSTROM

Abb. 10: JOHN H. OSTROM

1964 wurde in Wyoming, USA ein neuer Theropode gefunden. Entdeckt und 1969 beschrieben von JOHN H. OSTROM ist der Name Deinonychus antirrhopus (Schreckliche Kralle) mittlerweile ein Synonym für karnivore Dinosaurier - ähnlich wie Tyrannosaurus rex. Die Ähnlichkeiten im Skelettbau von Deinonychus und Archaeopteryx führten dazu, dass OSTROM die Dinosaurier - Vogel Theorie erneut untersuchte [5]. Unsere heutige Sicht von Archaeopteryx und die der Vogelevolution haben wir zu großen Teilen OSTROM zu verdanken.

Auch die darauf basierende Arbeit von PETER WELLNHOFER, ein Experte in Bezug auf Pterosaurier, führte dazu, dass viele der heutigen Paläontologen mittlerweile davon überzeugt sind dass sich Vögel aus den Dinosauriern, genauer gesagt den Theropoden, entwickelt haben müssen.

In den 70-er Jahren wurde aber auch noch eine andere Theorie erörtert.LARRY MARTIN erörterte die Hypothese, dass sich Vögel eventuell aus Crocodylomorphen entwickelt haben könnten. Er gab aber diese Hypothese kurze Zeit später wieder auf und vertritt heute die Meinung, ähnlich wie ALAN FEDUCCIA, dass sich Vögel aus triassischen Vorfahren entwickelt haben müssen [6].

ALAN FEDUCCIA

Abb. 11: ALAN FEDUCCIA

ALAN FEDUCCIA führte an, dass die Finger von Theropoden sich von denen der Vögel so stark unterscheiden, dass eine Evolution der beiden Gruppen nicht herleitbar ist. Er ist der Überzeugung, dass sich die Vögel und die Dinosaurier konvergent entwickelt haben. Des weiteren brachte er noch einen interessanten Fakt ins Feld. Alle Dinosaurier, die mit Archaeopteryx verglichen wurden, wie Compsognathus, Deinonychus oder auch die Funde aus China, sind entweder genauso alt oder jünger als Archaeopteryx - eine Ableitung ist also nur möglich unter der Annahme, dass diese sich in den vergleichbaren Eigenschaften nicht weiterentwickelt haben. FEDUCCIA wird allerdings von Paläontologen stark kritisiert wenn nicht sogar ignoriert, was aber der Forschung in diesem Bereich nicht unbedingt förderlich ist.

So existieren auch heute noch zwei verschiedene Theorien der Vogelevolution. Die "Vögel sind Dinosaurier" - Theorie und die "Vögel sind keine Dinosaurier" - Theorie.

Aber wo im Vogelstammbaum wird denn Archaeopteryx nun eigentlich platziert? Interessanterweise sind sich alle einig dass der Urvogel in einer Seitenlinie, also nicht als direkter Vorfahre, platziert werden muss. Diese Annahme hatte schon HUXLEY geäußert - und sie wurde bis heute beibehalten; also die einzige Aussage in der sich die Forscher über die Jahrhunderte nie widersprochen haben. Der Körperbau unterscheidet sich zu stark von den moderneren kreidezeitlichen Vögeln als dass eine direkte Entwicklungslinie angenommen werden kann. Archaeopteryx und seine Urvogelkollegen wie Wellnhoferia waren also schon zu dieser Zeit ein "auslaufendes Modell".


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