Der Solnhofener Plattenkalk und seine Fossilien

 

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Der Solnhofener Plattenkalk und seine Fossilien
Archaeopteryx



Archaeopteryx - gefälscht?

Fälschungen von Fossilien sind in der Vergangenheit häufiger vorgekommen und haben selbst Wissenschaftler in die Irre geführt. Die bekanntesten Beispiele in der Vergangenheit sind zum Beispiel die "Würzburger Lügensteine" oder aber auch der "Piltdown Mensch".

Die "Würzburger Lügensteine" wurden dem Würzburger Doktor und Gelehrten JOHANNES BARTHOLOMÄUS ADAM BERINGER zum Verhängnis. 1725 wurden diesem viele Versteinerungen zugetragen und Beringer veröffentlichte diese schon 1726 in der Publikation "Lithographiae Wirceburgensis". Als er erkannte, dass er geschickt gemachten Fälschungen aufsaß, zog er die Veröffentlichung wieder zurück. Bis heute sind nicht alle Hintergründe aufgedeckt, die zu diesem Vorfall geführt hatten, es wird allerdings angenommen, dass die "Lügensteine" von Studenten und anderen Gelehrten angefertigt worden waren um BERINGER bewusst zu schädigen.

Würzburger Lügensteine

Würzburger Lügensteine

Abb. 1: Würzburger Lügensteine

Auch die Geschichte um den "Piltdown Mensch" war wohl ein Betrug, der darauf hinauszielte einen Kollegen zu blamieren. Teile eines vermeintlichen menschlichen Unterkiefers wurden 1908 in der Nähe der südenglischen Stadt Piltdown gefunden. DAWSON, der Entdecker, und der Paläontologe ARTHUR SMITH WOODWART stellten den Fund 1912 der Wissenschaft vor. Überzeugt von der Echtheit argumentierten beide, dass dieser Urmensch eine Zwischenform von Affe und Mensch darstellen muss. Der Kiefer war affenähnlich, das Schädeldach menschenähnlich. So wurde der "Piltdown Mensch" in die Ahnenreihe des Menschen aufgenommen. Erst 1953 konnte der Schwindel aufgedeckt werden, als neue Datierungsmethoden entwickelt wurden. Mit der Radiokarbonmethode wurden die angeblichen Fossilien als nur wenige hundert Jahre alt datiert. Irgendjemand hatte Teile eines Menschenschädels und Teile eines Orang Utan-Schädels kombiniert und künstlich altern lassen. Lange Zeit wurde spekuliert, wer denn nun der Urheber dieser Fälschung war, man konnte dies aber nie sicher sagen. 1997 stellte man fest, dass wahrscheinlich der damalige Kurator des Londoner Naturhistorischen Museums der Urheber war - wohl um seine Kollegen zu blamieren.

Erst vor kurzem wurde ein neuer Betrug aufgedeckt. Diesmal handelte es sich um ein vermeintliches Bindeglied zwischen Vögeln und Dinosauriern aus der Jehol Lebensgemeinschaft in China: der Archaeoraptor. Dieses Fossil, mittlerweile als "Piltdown-Vogel" bezeichnet, hat großes Aufsehen erregt, da die National Geographic Society sich mit diesem wohl blamabelsten Kapitel ihrer Geschichte herumschlagen muss.

National Geographic Magazine

Abb. 2: Titel des "National Geographic Magazine"

Das Fossil wurde in China, wohl von einem Bauern, aus mindestens zwei verschiedenen Fossilien zusammengesetzt und an einen Händler verkauft. Dieser schmuggelte es aus China heraus in die USA, wo man auf dieses aufmerksam wurde. Die National Geographic Society hat 1998 daraufhin das Fossil untersuchen lassen, und dieses wurde in einem groß aufgemachten Artikel der Zeitschrift "National Geographic Magazine" veröffentlicht. Allerdings wurden schon vor der Veröffentlichung Stimmen laut, die die Authentizität dieses Exponates bezweifelten, allerdings versäumten es die Redakteure den Fund erneut untersuchen zu lassen. Dieses Vorgehen - eine erneute Untersuchung vor einer Veröffentlichung - wäre der Normalfall gewesen. Dies wurde wohl nicht gemacht um sich die "Sensation" in der Publikation nicht entgehen zu lassen. Die erneute Untersuchung ergab dann, dass das Fossil zusammengesetzt war. Eigentlich hätte man das auf den ersten Blick erkennen können, da die Hinterextremitäten des Archaeoraptors die Positiv- und Negativplatte eines einzigen Beines waren. Schon 1999 musste dann die National Geographic Society eingestehen dass dieses als Missing Link gefeierte Fossil aus mehreren nicht zusammengehörigen Fossilien zusammengesetzt wurde. Diese Blamage hätte aber verhindert werden können, wenn das Fossil von mehreren unabhängigen Institutionen vor einer Veröffentlichung untersucht worden wäre. Geltungssucht, Geld und Verblendung führten in diesem Fall wohl zu diesem bedauerlichen Resultat.

Wen wundert es daher, dass auch Archaeopteryx immer wieder Gegenstand einer Fälschungsbehauptung wurde. 1985 wurde aufgrund einer Untersuchung des Londoner Exemplars durch SIR FRED HOYLE, N. WICKRAMASINGHE und andere die Behauptung aufgestellt, dass die Federabdrücke nicht echt seien. Das Skelett eines Compsognathus sollte dementsprechend umgearbeitet worden sein. Die Federabdrücke sollten von einem modernen Vogel stammen, welche in einen aus Solnhofener Stein hergestellten Zement um den Compsognathus gepresst wurden. Diesen Aussagen konnte man aber gegenüberstellen, dass Haarrisse, welche sich mit Calcit gefüllt hatten, spiegelbildlich auf der Positiv und Negativplatte durch die Federimpressionen hindurchgehen. Dies beweist, dass die Federabdrücke schon vorhanden gewesen sein müssen als sich die Risse gebildet haben und die Verfüllung mit Calcit zeigt, dass dies schon lange vor dem Fund der Fall gewesen sein muss [1]. Auch unterscheidet sich das Skelett eines Compsognathus von dem eines Archaeopteryx durch die Armlänge. Während bei Archaeopteryx die Arme ungefähr genauso lang sind wie die Beine, sind diese bei Compsognathus erheblich kürzer. Selbst wenn die Federn nicht echt wären - das Skelett kann kein Compsognathus sein [2]. Auch muss man sich die Frage stellen, wem denn eine Fälschung genutzt hätte. OWEN sicherlich nicht, da dieser ohne den Fund seine kreationistische Ansichtsweise wesentlich besser hätte publizieren können. HUXLEY hat den Fund erst nach OWEN begutachtet, kann also auch nicht der Urheber einer eventuellen Fälschung sein. Für die ersten beiden Funde würden also nur die Verkäufer, die HÄBERLEINs, in Frage kommen. Sicherlich könnte man behaupten, dass diese ein Interesse daran gehabt haben die Stücke so teuer wie möglich zu veräußern und dieses zu einer Fälschung geführt hat. Man muss sich aber die Frage stellen ob diese in der Lage gewesen wären eine Fälschung derartig perfekt zu bewerkstelligen.

Da sich aber auch auf den anderen Archaeopteryx-Exemplaren Federn zeigen (teilweise nur sehr schwach im Streiflicht wie beim Eichstätter und Solnhofener Exemplar) und zumindest beim Münchener Exemplar der Fund sofort in die Hände der Wissenschaft gekommen ist, kann man sich heute sicher sein, dass die Archaeopteryx-Fossilien echt sind.



Kreationistisches...

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